Jeanne Lanvin
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Portrait de Jeanne Lanvin, 1934
© Studio Harcourt / Patrimoine Lanvin

La petite omnibus

Jeanne Lanvin wurde am 1. Januar 1867 als ältestes von elf Kindern einer Familie aus einfachen Verhältnissen in Paris geboren. Seit ihrer frühen Kindheit wiesen ihre Unabhängigkeit und ihr starker Charakter darauf hin, dass ihr ein außergewöhnliches Schicksal bestimmt war.

Im Alter von 13 Jahren verdiente sich Jeanne ihr erstes Gehalt bei einem Modisten in der Rue du Faubourg Saint-Honoré. Ihr Auftrag bestand darin, mit dem Bus Hüte in alle Winkel und Ecken von Paris auszuliefern, doch die kleine Jeanne zog es vor, hinter dem Fahrzeug herzulaufen, um den Fahrtpreis zu sparen. Mit dem Spitznamen "La petite omnibus" machte sie schon damals auf sich aufmerksam und kletterte schnell die Karriereleiter hinauf.

Talent
und Wagemut

Als harte Arbeiterin begann Jeanne Lanvin einige Jahre später ihre Ausbildung zur Modistin und erwies sich als außerordentlich kreativ. Die von Mademoiselle Jeanne entworfenen Hüte erfreuten sich eines durchschlagenden Erfolgs und Jeanne dachte bereits darüber nach, ihre eigene Boutique zu eröffnen.

Ein Traum, der sich für die junge Modistin im Alter von 22 Jahren erfüllen sollte. Dank der vielen erbrachten Opfer und ihrer Beharrlichkeit stattete "Lanvin (Mlle Jeanne) Modes" von nun an die modebewusstesten Pariser mit Hüten aus.

Jeanne Lanvin 0
Jeanne Lanvin 1

Jeanne Lanvin als junge Frau, um 1887
© DR
Jeanne Lanvin und ihre Tochter Marguerite, 1897
© DR / Patrimoine Lanvin

Eine Mutter,
eine Muse

Nichts war schön genug für Marguerite. Das kleine Mädchen wurde für Jeanne Lanvin, die ihm schon früh eine besonders edle Garderobe auf den Leib schneiderte, zur wichtigsten Inspirationsquelle. Mutter und Tochter blieben sich ihr Leben lang treu. Nicht selten konnte man Marguerite dabei beobachten, wie sie zwischen den Hutregalen der Boutique herumlief, und ihre Eleganz wurde schnell bemerkt. Dies bot Jeanne Lanvin eine neue Gelegenheit und sie entschied sich, ihr Geschäft auf Kindermode auszuweiten.

Während Marguerite heranwuchs, entwarf Jeanne immer neue Kollektionen, und ihr Modehaus verwandelte sich in ein florierendes und erfolgreiches Schneiderhaus. Als besonders hübsche junge Frau wurde Marguerite zur modernen und mondänen Muse des Hauses. Jeanne ließ sich jeden Tag beim Entwurf ihrer eleganten, femininen und jugendlichen Kollektionen von ihr inspirieren.

Jeanne Lanvin 2

Marguerite, um 1905
© Cheri-Rousseau / Patrimoine Lanvin
Marguerite in Beaulieu sur Mer, 1917 © DR

Diese außergewöhnliche und intime Mutter-Tochter-Beziehung ist untrennbar mit der Geschichte des Hauses verbunden. Ihre Kleider entwarf Jeanne aus Liebe zu Marguerite, und zu Ehren von Marguerites Geburtstag, inzwischen Marie-Blanche de Polignac, lancierte Jeanne 1927 das legendäre Parfum Arpège. Selbst das Symbol des Hauses findet seinen Ursprung in dieser mütterlichen Liebe: "La femme et l'enfant" - "Die Frau und das Kind".

Flacon de parfum boule
Jeanne Lanvin,
Pionierin

Jeanne Lanvin war in vieler Hinsicht eine Pionierin. Für sie zählte, immer weiter voran zu schreiten und sich niemals abhängen zu lassen. Dank ihrer vielen Interessengebiete entwickelte die Schneiderin ihr Modehaus stetig weiter, indem sie neue Abteilungen eröffnete, um die Bedürfnisse einer Gesellschaft zu erfüllen, die sich ebenfalls immer weiter entwickelte.

Echantillon de broderie 1Echantillon de broderie 2

Stickmuster, 1933–1935
© Patrimoine Lanvin

Dessin à la gouache 1
Dessin à la gouache 2Dessin à la gouache 3
Dessin à la gouache 4
Dessin à la gouache 5
Dessin à la gouache 6
Dessin à la gouache 7
Dessin à la gouache 8

BAYADERE, LES DALLES, TYROLIEN,
Archives de paris, dépôt n°11885, 20 avril 1929, D12U10 666

Publicité pour les rouges à lèvres Lanvin

Sie brachte als Erste ab 1908 Kindermode heraus, bot 1926 als Erste eine maßgeschneiderte Herrenkollektion und entwarf als Erste 1933 ein Eau-de-Toilette, das sich sowohl an Herren als auch an Damen richtete.

Auf dem Höhepunkt seines Bestehens zählte das Modehaus Lanvin dank der Vision einer außergewöhnlichen Frau bis zu 1.200 Angestellte, zahlreiche Boutiquen und weltweit mehrere Zweigstellen.

Modèle pour enfant Sablaise Modèle pour enfant Bouclette

Kindermodelle Sablaise, 1924 und Bouclette, 1925
© Patrimoine Lanvin

Présentoir à rouges à lèvres Lanvin

Aufsteller für Lippenstifte von Lanvin, um 1930
© Patrimoine Lanvin

Packaging de rouge à lèvre Lanvin
KUNST UND REISEN

Der Erfolg des Modehauses ist ganz der Neugier, dem Erfindergeist und der kreativen Energie Jeanne Lanvins zu verdanken. Mit jeder neuen Kollektion strebte die Schneiderin danach, sich neu zu definieren, und ließ sich von allem, das sie umgab, ihren Reisen und den Künstlern ihrer Epoche inspirieren.

Wenn Jeanne nicht an ihrer nächsten Kollektion arbeitete, reiste sie und nahm sich die Zeit, alles, was sie sah und was sie inspirierte, in sich aufzunehmen. Ihre zahlreichen Reisetagebücher behielt sie während ihrer Arbeit stets in ihrer Nähe, sorgfältig sortiert in den Bücherregalen ihres Büros.

Reisen Jeanne Lanvins
Toledo, 1927
©DR

Toledo, 1927
©DR

Venedig, 1928
©DR

Venedig, 1928
©DR

Die Borromäischen Inseln, 1928
©DR

Die Borromäischen Inseln, 1928
©DR

Venedig, 1928
©DR

Venedig, 1928
©DR

Venedig, 1928
©DR

Venedig, 1928
©DR

Ägypten, um 1930
© DR / Patrimoine Lanvin

Ägypten, um 1930
© DR / Patrimoine Lanvin

Kollektion an Stoffmustern von Jeanne Lanvin
© Patrimoine Lanvin

Von Souvenirs abgesehen erstand Jeanne Lanvin Antiquitäten, Stoffproben oder auch traditionelle Kostüme der Länder, die sie oder ihre Nächsten bereisten: indische Saris, Kostüme aus China, Stierkämpferbekleidung, Stickereien oder auch ethnische Stoffe.

Diese Schätze sollten ihre schönsten Kollektionen inspirieren.
Dessin de collectionsLa féeToutankamonBouddha

Zeichnungen der Kollektionen
1919, La Fée 1920, Toutankamon 1923, Bouddha, 1925
© Patrimoine Lanvin

Auch wenn sie keine Frau von Welt war, öffneten ihre künstlerische Sensibilität und ihr kreativer Geist ihr schon sehr früh die Türen in die avantgardistischsten Künstlerkreise ihrer Zeit. Jeanne Lanvin traf sich regelmäßig mit Künstlern der Nabi-Bewegung, darunter insbesondere Édouard Vuillard, mit dem sie eine obsessive Leidenschaft für Farbe teilte.

Sie sammelte Werke von Renoir, Degas, Fantin-Latour, Fragonard und vielen Weiteren und stand unter dem starken Einfluss des Lichts der Impressionisten und des symbolistischen Werks von Odilon Redon. Diese künstlerischen Affinitäten kamen häufig in den Kollektionen des Hauses zum Ausdruck und weckten in Jeanne ihre Leidenschaft für Farbe, die sie 1923 dazu führte, ihre eigene Farbfabrik zu eröffnen.

Jeanne Lanvin et Yvonne Printemps

Jeanne Lanvin bei der Anprobe mit Yvonne Printemps, um 1936
© DR / Patrimoine Lanvin

Der stil Lanvin

Die Inspirationen Jeanne Lanvins waren zahlreichen Ursprungs, doch Eleganz, Feminität und Moderne blieben stets die Schlüsselwörter ihrer Schneiderkunst.

Echantillon 1Echantillon 2Echantillon 3
Ein einzigartiger
Stil

In den 20er Jahren zeichnete sich das Modehaus Lanvin durch die Verwendung gewagter Farben in Kombination mit innovativen Dekortechniken aus. Bänder, Stickereien, Perlen und Details schmückten die Kleider, ohne dabei je den Schnitt und die außergewöhnlichen Konzepte der Ateliers zu beeinträchtigen.

Echantillon 4
Echantillon 5
Echantillon 6
Echantillon 7
Echantillon 8

Zwischen 1925 und 1935 in den Ateliers von Lanvin gefertigte Stickereien und Perlierungen
© Patrimoine Lanvin

Echantillon 9Echantillon 10Echantillon 11

Die symbolischen Farben des Hauses, wie das Lanvin-Blau, wurden von einer häufigen Verwendung von Schwarz und Weiß ergänzt. Diese Kombination, die manchmal mit silbernen Akzenten versehen wurde, repräsentiert den Höhepunkt der Eleganz Mitte der 20er Jahre. Er entstand aus dem Streben nach Geometrie, das von der sich damals am Gipfel ihres Einflusses befindenden Bewegung des Art déco inspiriert war.

MADAME LANVIN

Den Erfolg ihres Schneiderhauses verdankte Jeanne Lanvin nur sich selbst und ihren langen Jahren harter Arbeit. Ihre diskrete Persönlichkeit und ihre Genauigkeit standen im Kontrast zu ihren berühmten Zeitgenossen.

Die Persönlichkeit
Jeanne
Lanvins
Lettre de la Maison Lanvin adressée à l'une de ses clientes

Brief des Modehauses Lanvin an eine seiner Kundinnen, 1935
© Patrimoine Lanvin

Jeanne Lanvin et un mannequin

Jeanne Lanvin und ein Mannequin, 1935
© New York Times/Rea

Die Schneiderin hielt sich von Extravaganz fern und entwickelte sich in einem kleinen, intimen Kreis von Künstlern, Schriftstellern und Musikern. Man konnte sie nur selten auf einem Ball oder bei einem Pferderennen in Longchamp antreffen, und wenn dies einmal geschah, so war sie gekommen, um die eleganten Pariserinnen zu beobachten und ihre zukünftigen Modewünsche zu erkennen.



Denn Jeanne Lanvin war vor allem eine Visionärin, liebende Mutter und talentierte Schneiderin, der es gelang, aus dem Nichts ein berühmtes Modehaus aufzubauen, das noch heute auf der ganzen Welt gefeiert wird.

Am 6. Juli 1946 schied Jeanne Lanvin im Alter von 79 Jahren friedlich aus dem Leben. Jeanne, die Modistin, die Schneiderin, die Dekorateurin, die Parfumherstellerin, „Madame“, wie sie von ihrem Personal genannt wurde, hinterließ ein Imperium.

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