GESCHICHTE

 

 

1889 - JEANNE LANVIN, MODISTIN

Die Geschichte des Modehauses Lanvin begann im Jahr 1889 in einer kleinen Hutboutique im Herzen von Paris.

Als Jeanne Lanvin 1889 ihre erste Hutboutique im Hochparterre der Rue Boissy d’Anglas Nummer 16 eröffnete, war sie gerade 22 Jahre alt und hatte erst vor Kurzem ihre Ausbildung abgeschlossen. Doch die junge Modistin beeindruckte schon damals durch ihr Talent.

Vier Jahre später fand der große Wandel statt. Jeanne Lanvin siedelte das Modehaus, das ihren Namen trug, in der prestigeträchtigen Rue du Faubourg Saint-Honoré an. Der Erfolg ließ nicht auf sich warten und schon bald gingen die Pariserinnen bei „Lanvin (Mlle Jeanne) Modes“ ein und aus.

Schneiderhaus Jeanne Lanvin. Paris, 22 Rue du Faubourg Saint-Honoré.
© Studio Lipnitzki / Roger-Viollet

Capeline-Hut, um 1920
© E. Emo und St. Piera / Galliera / Roger-Viollet

1897 - DIE FRAU UND DAS KIND

Die Geburt ihrer Tochter Marguerite im Jahr 1897 stellte für Jeanne Lanvin eine Wende in ihrem Schicksal dar. „Indem sie das Kind entzückt, wird sie nach und nach die Welt entzücken“, schrieb Louise de Vilmorin.

Zwischen Jeanne und ihrer Tochter entwickelte sich eine symbiotische Beziehung. Marguerite wurde zu ihrer Muse und Jeanne entwarf eine Garderobe für kleine Mädchen, die aus edelsten Stoffen bestand. Die elegante Marguerite zog schnell die Aufmerksamkeit der Mütter ihrer Freundinnen auf sich, die ihrerseits zu Kundinnen des Modehauses Lanvin wurden.

Dank dieses neuen Erfolgs eröffnete Jeanne Lanvin als kluge Geschäftsfrau im Jahr 1908 eine Abteilung für Kinderkostüme und widmete dieser neuen florierenden Tätigkeit von da an einen eigenen Raum in ihrer Boutique.

"Indem sie das Kind entzückt, wird sie nach und nach die Welt entzücken", Louise de Vilmorin

Kindermodelle. Zeichnungen in Gouache, 1926, 1924 und 1911
© Patrimoine Lanvin

 

1909 - JEANNE LANVIN, SCHNEIDERIN

1909 überstieg die zahl der bestellungen von kindermode bereits die der hüte. jeanne lanvin spürte, dass es zeit war, ihr modehaus in eine neue ära zu führen.

Im Jahr 1909 eröffnete Jeanne Lanvin eine Abteilung für Damen und junge Mädchen. Von nun an kamen Mütter und Töchter gemeinsam in die Boutique, um ihre Garderobe der Marke Lanvin auszusuchen. Tageskleidung, Abendkleider, Mäntel und Dessous: Die Kreationen des Hauses Lanvin entzückten ganz Paris.

Die ehrgeizige und entschlossene Jeanne Lanvin wurde im selben Jahr Mitglied im Schneiderverband und stieg von der Modistin zur Schneiderin auf.

Als Mutter und Geschäftsfrau zugleich hielt sich Jeanne Lanvin diskret von Extravaganz fern und hob sich von dem äußerst exklusiven Kreis der Pariser Schneiderei ab.

 

Jeanne Lanvin drapiert Stoff an einem Mannequin, um 1936
© Laure Albin Guillot / Roger-Viollet

1913 - DAS LEBEN IM STIL LANVIN

Jeanne Lanvin besaß nicht nur einen außerordentlichen Geschäftssinn, sondern war auch eine Visionärin. Ab 1913 begann sie zu verstehen, dass der Erfolg eines Modenhauses nicht in dessen Kreationen besteht.

Im Jahr 1913 eröffnete Jeanne Lanvin eine Pelzabteilung und bot ihren Kunden sogleich einen nie dagewesenen Service: Sie konnten ihre Pelze während des Sommers als Rücklage abgeben. Doch sie beschränkte sich nicht nur auf die Garderobe ihrer Kunden.

Während einer Abendveranstaltung des Schneiders Paul Poiret im Jahr 1920 begegnete Jeanne Lanvin dem berühmten Architekten und Innenausstatter Armand-Albert Rateau, der gerade seinen Abschluss an der renommierten École Boulle gemacht hatte. Gemeinsam beschlossen sie, in der Rue du Faubourg Saint-Honoré Nummer 15, einen Pavillon zu eröffnen, der dem Lifestyle gewidmet sein sollte. Die Boutique bot Möbel, Teppiche, Vorhänge, Tapeten und Weiteres an ... und repräsentierte auf feinste Weise den damals florierenden Stil des Art déco.

„Chaise crosse“, Lanvin Décoration, um 1920
© Patrimoine Lanvin

Dekor des Théâtre Daunou, Lanvin Décoration, 1923
© But Sou Lai / Patrimoine Lanvin

Als die Badeorte zum modischen Sommertreffpunkt der Pariser Gesellschaft wurden, entging auch dies Jeanne Lanvin nicht. 1923 eröffnete sie die Abteilung Lanvin Sport und bot lässige Tageskleidung an, die sich dank komfortabler Materialien den neuen Freizeitaktivitäten anpasste. Sie entwarf Bademode und Reiterkleidung sowie Sportkleidung für den Tennis und Wintersportarten.

Ob in Paris, Deauville oder Biarritz, die Boutiquen von Jeanne Lanvin waren immer gut besucht. In den Goldenen Zwanzigern erlebte das Modehaus Lanvin einen Erfolg, der ganz dem Ehrgeiz der Schneiderin entsprach, und zählte 23 Ateliers sowie beinahe 800 Angestellte.

Lanvin-Boutique in Biarritz, um 1925
© E.Mathieu / DR

1915 - LANVIN UND DIE WELT

Eines der anerkanntesten Pariser Schneider Häuser zu führen, genügte Jeanne Lanvin nicht, die ab 1915 dazu aufbrach, die Welt zu erobern.

Weltausstellung in San Francisco

Trotz des Kriegs nahm das Modehaus Lanvin 1915 an der Weltausstellung in San Francisco teil. Dreizehn französische Schneiderhäuser, darunter Paquin, Doucet, Caillot Sœurs und Worth, repräsentierten den Aufschwung der Haute Couture und ihre internationale Strahlkraft. Der Erfolg dieser Ausstellung ermöglichte es Jeanne Lanvin, sich dauerhaft in den Vereinigten Staaten niederzulassen.

Internationale Ausstellung des Kunstgewerbes in Paris

1925 bildete Paris das Zentrum der Künstlerwelt und war Veranstaltungsort der internationalen Ausstellung des Kunstgewerbes. Für Jeanne Lanvin, Vizepräsidentin des Pavillon de l’Élégance, war dies ein Geschenk des Himmels, denn ihr kam die Aufgabe zu, die Schneiderei und die französische Tradition zu repräsentieren.

Modenschau Lanvin auf der Normandie

Das Passagierschiff Normandie stand für den Gipfel des Luxus und der französischen Eleganz. Bei seiner ersten Atlantiküberquerung mit Ziel New York, die im Jahr 1935 stattfand, ließ Jeanne Lanvin an Bord einige Modelle ihrer Kollektion vorführen und konnte so eine breite mediale Aufmerksamkeit genießen.

Weltfachausstellung Paris 1937

Bei der Pariser Weltausstellung im Jahr 1937 stellte Jeanne Lanvin ihre schönsten Kreationen vor, um das Savoir-faire und die technischen Meisterleistungen der Ateliers Lanvin hervorzuheben.

 Internationale Ausstellung Golden Gate

Bei der Golden Gate Ausstellung, die 1939 in San Francisco stattfand, wurde die Eröffnung der Bay Bridge und der Golden Gate Bridge gefeiert. Zu diesem Anlass präsentierte Jeanne Lanvin ihre Kreation „My Fair Lady“, ein Kleid aus weißen Glasbatist-Bändern auf Tüll. Diese Meisterleistung betonte die Genauigkeit des Schnitts und die feine Arbeit der Ateliers. 

Das Théâtre de la Mode

Anfang 1945 wurde die Haute Couture von einer Verlagerung nach Berlin bedroht. Im Alter von 78 Jahren gehörte Jeanne Lanvin zu den ersten Personen, die sich auf Initiative von Lucien Lelong, dem Vorsitzenden des Pariser Schneiderverbandes, mobilisierten. Unter der Leitung von Christian Bérard reiste das Théâtre de la Mode um die ganze Welt, um das berühmte französische Savoir-faire anhand von kleinen, von den berühmtesten Pariser Schneiderhäusern angekleideten Puppen zu feiern.

 

Modelle der Modenschau von Lanvin auf dem Passagierschiff Normandie, 1935
Zeichnungen in Gouache, © Patrimoine Lanvin

Modelle der Ausstellung des Kunstgewerbes, Paris 1925.
Zeichnungen in Gouache
© Patrimoine Lanvin

Modelle der Weltausstellung, Paris 1937.
Zeichnung in Gouache
© Patrimoine Lanvin

Modelle der Golden Gate, San Fancisco 1937.

Zeichnung in Gouache
© Patrimoine Lanvin

Parfum für Herren und Damen von Lanvin, 1933
© Patrimoine Lanvin

1924 - LANVIN PARFUMS

Im Jahr 1924 ließ sich Lanvin Parfums in der rund-point des Champs-Élysées Nummer 4 nieder. Für die ehemalige Modistin stand es außer Frage, dass das Parfum für die Garderobe einer frau ein unentbehrliches Accessoire darstellte.

Der erste Erfolg fand in Amerika statt. Dem von Maria Zède kreierten Parfum My Sin gelang bei seiner Lancierung 1925 in den Vereinigten Staaten der Durchbruch. In Frankreich entstand im Jahr 1927 ein legendärer Duft: Arpège.

Anlässlich des 30. Geburtstags ihrer Tochter, schenkte Jeanne Lanvin Marguerite, die nun Marie-Blanche de Polignac hieß, ein einzigartiges Parfum, das von dem berühmten Parfümeur André Fraysse kreiert worden war. Bulgarische Rose, Jasmin aus Grasse, Geißblatt und Maiglöckchen: Als Marie-Blanche zum ersten Mal diese Komposition roch, rief sie: „Man könnte meinen, ein Arpeggio.“ Der Duft erfreute sich eines umfassenden Erfolgs und Arpège wurde zum größten Symbol der Liebe Jeannes zu ihrer Tochter.

Im Jahr 1933 blieb Jeanne Lanvin ihrem avantgardistischen Geist treu und schuf das erste Unisex-Parfum: L’eau de Lanvin.

Etui mit Lanvin Parfumproben, um 1940
© Patrimoine Lanvin

Gebrauchsmuster der „Boule noire“, 1925
© Patrimoine Lanvin

1926 - L’HOMME LANVIN

Nichts entging der Scharfsinnigkeit Jeanne Lanvins, die im Jahr 1926 als erste Pariser Schneiderin eine maßgeschneiderte Herren Kollektion entwarf.

Als sich Lanvin Tailleur-Chemisier in der Rue du Faubourg Saint-Honoré Nummer 15 niederließ, war das Haus Lanvin das einzige Pariser Modehaus, das sowohl Herren- als auch Damenmode anbot. Anzüge, Krawatten, Pyjamas, Tages- und Sportkleidung: Um ihre maskuline Kundschaft zufrieden zu stellen, wandte sich Jeanne Lanvin an drei große französische Schneider und übergab die Leitung der Abteilung an ihren Neffen Maurice Lanvin.

Illustration aus der Zeitschrift Adam, 1939 © DR

1946 - LANVIN NACH JEANNE

Am 6. Juli 1946 schied Jeanne Lanvin im Alter von 79 Jahren friedlich aus dem Leben. Jeanne, die Modistin, die Schneiderin, die Dekorateurin, die Parfumherstellerin, „Madame“, wie sie von ihrem Personal genannt wurde, hinterließ ein Imperium.

Nach dem Tod Jeanne Lanvin wurde ihre Tochter Marie-Blanche zur Leiterin des Modehauses und entwarf bis 1950 weitere Kollektionen. Ihr folgten mehrere Modeschöpfer, die alle den Ehrgeiz besaßen, das Savoir-faire, den Geist und die Exzellenz des Hauses zu bewahren.

Marie-Blanche de Polignac, circa 1946
© DR / Patrimoine Lanvin

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